Nationalmannschaft der Damen

Vier Mülheimer Muske(l)tiere bei der WM

Während die ganze Welt die Fußball-WM in Südafrika verfolgt, fand auf der Nordhalbkugel eine weitere Weltmeisterschaft statt. Nämlich die erste Weltmeisterschaft im American-Football der Damen. Austragungsort war das Zinkensdamms-Stadion in der schwedischen Hauptstadt Stockholm.
Die Deutsche Nationalmannschaft wurde durch vier Spielerinnen der Mülheim Shamrocks verstärkt. Im Einzelnen:
Sarah Walther #36
Sina Bürger #61
Bettina Janssen #71
Pia Hartmann #87.
Nach der Anreise am Montag, dem 28. Juni 2010, wurde in der Unterkunft eingecheckt. Anschließend wurde dem 45-köpfigen Kader klar, dass es sich nicht um einen bloßen Freizeitausflug handelt. Denn kaum waren die Taschen ausgepackt, Schränke eingeräumt, Betten getestet und die Bäder besichtigt, ging es zu einer ersten Trainingseinheit auf schwedischem Boden zum Übungsgelände. Es wurde hart gearbeit, Körper und Geist sollten ja auch fit gemacht, bzw. gehalten werden. So war die ganze Woche ausgefüllt. Vormittags, Nachmittags und auch noch an den Abenden wurde trainiert und in den Theoriesequenzen an Feinheiten gearbeitet. Ach ja, dazwischen wurde dann auch mal schnell was gegessen. Aber schnell schnell!
Nun mag der Eindruck entstehen, dass sonst nicht viel passierte. Weit gefehlt, denn es wurde natürlich auch gespielt.
Am Dienstag, 29.Juni 2010 wurde um 18:00 Uhr das erste Spiel der Deutschen Nationalmannschaft angepfiffen. Gegner war die Nationalmannschaft des Gastgeberlandes Schweden. Unterstützt wurde unser Team von einem engagierten (und lauten) Fanblock, der aus der gesamten Republik angereist war. Nach einem fast dreistündigem Match und einem 14:00 Sieg der Deutschen Nationalmannschaft war die Freude natürlich groß.
Lohn der Arbeit war dann ein freier Vormittag für das Team, der von den Meisten genutzt wurde, um die Altstadt von Stockholm zu besuchen. Hier trafen dann auch die mitgereisten Fans auf ihre "Stars". Dann aber schnell wieder zurück zum Hotel, denn es mußte an der Theorie gearbeitet werden. Anschließend die Ausrüstungen greifen und ab zum Stadion, wo ab 17:00 Uhr eine zweistündige Trainingseinheit absolviert wurde. Danach Abendessen am Stadion und zurück zum Hotel. Nein nein, es ging noch nicht ins Bett, denn es stand ja noch eine Theorieeinheit auf dem Plan.
Am Donnerstag stand dann das zweite Spiel unserer Mannschaft auf dem Plan. Der Gegner war das Team aus Kanada. Nach dem Kick-Off um 13:00 Uhr wurde schnell klar, dass es ein hartes Stück Arbeit werden würde. Trotz heftiger Gegenwehr aller Mannschaftsteile ging diese Begegnung mit 20:12 zu Gunsten des Teams Kanada aus. Die Enttäuschung war zunächst groß, wäre man doch gerne ins Endspiel gekommen. Es blieb aber noch das Spiel um Platz drei und die Hoffnung, eine Madaille mit nach Hause zu nehmen.
Samstag, 03. Juli 2010, der Finaltag. Im Spiel um die Bronzemedaille hieß der Gegner Finnland. Die Finnen hatten sich nach einem beeindruckenden 50:16 Sieg über die Alpenrepublik Österreich und einer Niederlage gegen die Vertretung der USA den zweiten Tabellenplatz gesichert. Schon morgens um 11:00 Uhr wurde das Spiel um Platz Fünf angepfiffen. Hier trafen die Gastgeber auf die Vertretung aus Österreich. Durch einen knappen 20:18 Erfolg konnten sich die Schweden Platz Fünf sichern.
Um 15:00 Uhr hieß es dann: We are Black, we are Red, we are Gold, we are one Team.
Die Mannschaft aus Finnland begann wie die Feuerwehr und konnte die deutsche Defense gleich mehrfach überraschen. Coaches und Fans mußten Schlimmes befürchten, als es mit vier Touch-Downs und einer 26:00 Führung zu Gunsten Finnlands in die Halbzeitpause ging. Man weiß jetzt nicht, was in der Kabine passierte, aber auf dem Feld sah man ein Deutsches Team, dass sich mit Leibeskräften gegen die drohende Niederlage zur Wehr setzte. Die gesamte zweite Spielhälfte gehörte dann nur noch der Deutschen Mannschaft. Während die Defense bis zum Umfallen kämpfte und keinen weiteren Toch-Down der Finninnen zu ließ, gelangen der Offense gleich mehrere Touch-Downs, aber leider einer zu wenig. So ging das Match um die ersehnte Medaille leider mit 26:18 verloren.
So blieb am Ende Platz Vier und die "Goldene Ananas". Aber: "Kopf hoch Mädels, niemand hat gesagt, dass es einfach wird." Ihr habt ein Match gewonnen und die beiden Anderen mit nur einem Touch-Down Unterschied verloren. Die Fans haben hervorragende Leistungen gesehen und sind allesamt stolz Euch.
An dieser Stelle noch ein DANKESCHÖN an Alle, die sich für die Deutsche Nationalmannschaft mächtig ins Zeug gelegt haben und durch monatelange Arbeit es ermöglichten, dass unsere Mädels diese tolle Erfahrung machen konnten.
Natürlich möchten wir uns auch beim Schwedischen Football Verband bedanken, der keine Mühen scheute, dieses Ereignis zu veranstalten.
Nachfolgend findet ihr einen kleinen Ausschnitt meiner Bilder. Viel Spass beim blättern! Achtung, ich glaube, dass die Bilder nicht unbedingt in chronologische Reihenfolge sind :-)


Euer Ted


Sarah's Erlebnisse

So hat Sarah Walther #36 die erste Damen Weltmeisterschaft empfunden:

Wir sind wieder zu Hause - nach 10 erlebnisreichen, anstrengenden, wundervollen Tagen. Die große Enttäuschung über Platz 4 beginnt nachzulassen, blaue Flecke werden heller und verschwinden, die Wäsche riecht frisch gewaschen.

Was bleibt sind Erinnerungen an eine Erfahrung, die sicher keine von uns 45 Natios je wieder vergessen wird. Wir haben zusammen trainiert, gekämpft, geweint und gefeiert. Wir saßen morgens zusammen mit verquollenen Augen in der Theorie, bewältigten unzählige Trainingseinheiten, analysierten bis spät in die Nacht unsere Videos... alles für das Gänsehauterlebnis, für Deutschland auf dem Platz zu stehen und sein Bestes zu geben.
We are black, we are red, we are gold, we are one team - in dieser Zeit nicht nur eine Floskel oder leeres Gerede, sondern ein Versprechen; uns selbst gegenüber, aber auch für Coaches, Staff, Fans, Germany.

Seit Sonntag hat Deutschland uns wieder. Und auch wenn wir eigentlich garnicht so lange weg waren, ist die erste Eingewöhnung schwierig: Wo ist mein Zeitplan für heute, woher soll ich wissen, wann ich essen, trainieren, was ich anziehen soll? Wo ist der Labello, wenn man ihn braucht? Eine Gatoradetonne zum Flascheauffüllen suche ich vergebens und meine Akkreditierung darf im Schrank bleiben. Wieso versteht niemand meine neuen Witze oder stimmt in meinen spontanen Gesang mit ein?

Alltag kehrt ein. An erster Stelle steht nicht mehr Football, es geht wieder um Familie, Freunde, Uni, Job; und aus einem Team Deutschland werden wieder Vereinsspieler, die zum Teil schon knapp eine Woche nach der WM wieder gegeneinander in der Liga auf dem Platz stehen. Die nicht mehr miteinander um jedes Yard kämpfen, sondern sich wieder als Gegener sehen müssen - ein seltsames Gefühl.

Wie es mit der Nationalmannschaft weitergeht, steht noch in den Sternen. Wer bleibt dabei, wie sieht es mit Spielen aus, viele, viele Fragen, auf die ich keine Antwort weiß. Bei einem bin ich mir jedoch sicher: ich bin stolz darauf, einer von 45 aus diesem großartigen Team zu sein.


Von Sarah Walther (übernommen aus unserem Forum).


Women's World Championchip 2010


Zweiter Bilderblock von der WM


Unser Quartett für die Nationalmannschaft


(C) 2008 - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken